
Wer seine Schwedischkenntnisse aus dem bekannten Einrichtungshaus bezieht, dürfte diesen beiden Wörtern noch nicht begegnet sein: „Bög“ oder „knullar“ heißen weder Regalsysteme noch Lampenschirme – und das aus gutem Grund. Bög ist der schwedische Ausdruck für einen Schwulen. Und knullar meint das, was ein Bög nach landläufiger Meinung den ganzen Tag tut - oder zumindest gern täte. Natürlich sind dies nichts als Klischees. So wie der Glaube, dass es in Schweden von früh bis spät dämmere oder ganz Stockholm mit Basketballmannschaften blonder Hünen bevölkert sei.
Im bevölkerungsreichsten Staat Skandinaviens lässt sich wahrlich mehr erleben, als im Halbdunkeln blonden Börgs hinterher zu jagen. Stockholm im Sommer ist bunt, fröhlich, kulturell vielfältig und ein rundherum charmanter Anblick. Für den sorgen nicht nur royale Paläste, viele Grünflächen oder beeindruckende Bauten, sondern auch das allgegenwärtige Wasser. Für dessen intensives Blau ist übrigens die tief stehende Sonne zuständig, die hier eine reizvolle optische Täuschung zaubert.
Keineswegs eine optische Täuschung sind hingegen die Regenbogenflaggen, die zum Gay Pride Ende Juli/Anfang August überall in der Stadt hängen, sogar an den städtischen Bussen. Rund 40.000 Teilnehmer zählt die Parade, die alljährlich von mehreren Hunderttausend Schaulustigen verfolgt wird und in der auch skurrilere Gruppen wie die schwulen Hundebesitzer oder die queeren Laktose-Intoleranten ihren Platz finden.
Im etwas außerhalb gelegenen Pride Park wird vier Tage lang im großen Stil gefeiert. Auf mehreren Bühnen geben sich hier reihenweise prominente Bands und Künstler zu Mottoabenden wie der beliebten Schlagernacht das Mikro in die Hand. In diesem Jahr war sogar Eurovision-Gewinnerin Lena als Überraschungsgast mit von der Partie. Hinzu kommen Verkaufsstände, Ausstellungen und Infozelte, in denen unter anderem die schwedische Armee, die Feuerwehr oder die Polizei Nachwuchs aus schwul-lesbischen Reihen anwerben. Nicht zuletzt: die ausgelassene Stimmung bei Lagerbier lässt sogar vergessen, dass der Eintritt mit rund 40 Euro pro Abend recht üppig bemessen ist.
Wer außerhalb des Gay Pride nach Stockholm reist, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Nicht umsonst nennt sich die Stadt selbst „The Rainbow Capital“. Tagsüber nimmt man gern einen Café im Chokladkoppen, dem ältesten Gay-Café, das in der malerischen Altstadt liegt. Einen in jeder Hinsicht appetitlichen Eindruck machen die Restaurants Torget oder Le Rouge, die mit ihrem altmodischen Charme dem Begriff „camp“ alle Ehre machen. Zum Dinner trifft sich die Szene auch gerne im wunderschön am Wasser gelegen Mälarpaviljongen. Partypeople und Nachtschwärmer kommen im hippen Trendviertel SoFo auf ihre Kosten: In den Clubs Högkvateret, Paradise oder Zipper steppt der Elch. Den perfekten Ausklang eines Stockholm-Wochenendes besorgt die Patricia, ein Restaurant- und Partyboot, das am Sonntagabend vor allem schwule Jungs anheuert.
Wie in Skandinavien üblich, sind die wenigsten Lokale, an denen eine Regenbogenfahne hängt, ausschließlich queerem Publikum vorbehalten. Diese unkomplizierte Mischung von Homos und Heteros passt gut ins Bild einer ausgesprochen toleranten Nation. Schweden hat mit seiner fortschrittlichen Gesetzgebung die Rechte für Schwule und Lesben so weit ausgedehnt wie kein zweites europäisches Land.
Augenfälligstes Beispiel: Seit 2009 gibt es hier keine Unterschiede mehr in der Ehe zwischen hetero- oder homosexuellen Paaren. Seitdem ist das üppig dekorierte Trauzimmer im Stockholmer Rathaus die beliebteste Adresse für gleichgeschlechtliche Eheschließungen. Allerdings müssen sich die Brautleute vorher genau überlegen, was sie sagen wollen: die lange Trauungszeremonie dauert gerade mal vier Minuten. Die kurze ist nach 35 Sekunden vorbei - dann ist das nächste Paar an der Reihe.
Von Bernd Müller
Das Magazin QX hält auf seiner Website unter „gaymap“ alle wichtigen Infos zur Szene bereit. www.qx.se
Das offizielle Online-Angebot der Stadt ist zugleich die Website des Stockholm Gay&Lesbian Network mit allen Infos zum schwul-lesbischen Stadtleben, Unterkünften sowie touristischen Angeboten: www.stockholmtown.com/gay-lesbian
Leserstimmen
Lieber Webmaster, liebes Leo Team - wieso ist der Cityguide nicht aktuell und es fehlen so viele Einträge? ++++...
Na lasst sie doch machen, die Schwulen. Die hat's im alten Rom doch auch schon gegeben. Und was sagte doch kürzlich...
Eine Anti-Mobbing-Gesetz ist für uns alle das wichtigste, es sollte europaweit einheitlich sein und die Würde des...
Also ich meine das war eh lediglich eine Modeerscheinung
Unkritisches PR-Nachgequatsche. Auch damit hat "der erfolgreiche Verleger" und Ex-Maoist seine Millionen...
Hui - was ist denn das ? LEO im neuen online Design ! Scheeeeeeeeeeeen isses ^.^
Danke schön Peter für den Kommentar. Das finde ich fair und anständig. Gebe Dir vollstens Recht, dass der Kalender...
Lieber Bernhard, gerne will ich auf Deine Kritik eingehen. Warum keine Begrüßung? Leo ist keine Neuerscheinung auf dem...
Hallo liebe Leser. Überraschend kam die Übernahme der Hamburger Publigayte Gemeinde wohl für alle Leo Leser nicht....
Erst habe ich gezögert! das "LEO" Magazin April überhaupt nach 12 Monaten wieder mal in der Deutschen Eiche...
Leider muß ich wieder einmal feststellen das die damen und herren organisatoren nix aber auch gar nix verstanden haben....
Ja da schau her! Das ist doch eine tolle Seite und das Heft endlich mal in einem ansehnlichen Layout und auch...
Hey cool, herzlichen Glückwunsch zu Eurer neuen Seite, sieht klasse aus! Weiter so!