
Ein Kreuzfahrtschiff ohne Damentoiletten? Zumindest für neun Tage heißt es „Unisex“ an den Klotüren - und jeder darf rein. Die „Celebrity Solstice“ ist mit rund 2500 Schwulen und 27 Frauen im Mittelmeer unterwegs, gechartert vom kalifornischen Anbieter „Atlantis“.
Auch wenn das Unternehmen mit seinen „All-Gay-Cruises“ zunehmend auf den europäischen Markt drängt, sind in erster Linie amerikanische Gäste an Bord. Gefühltes Durchschnittsalter: Mitte 40 - zumindest auf dieser Reise von Rom Richtung Ägypten und griechische Inseln. Die Mitreisenden auf den Karibik-Routen von „Atlantis“ sind deutlich jünger.
Ein Schiff voller Schwuler - das regt naturgemäß die Phantasie an: amouröse Abenteuer rund um die Uhr - die Steigerung zum „Love Boat“! Die Realität sieht allerdings anders aus. Tagsüber zeigt sich während der Reise auf dem Pooldeck der „Celebrity Solstice“, wer es sich leisten kann oder wer keine Probleme hat, es sich nicht leisten zu können. Bräunen in möglichst knapper Badehose ist angesagt - oder eine Abkühlung im Pool, den Cocktail in der Hand. Wer das nicht mag, schaut zu, bleibt auf dem Kabinenbalkon oder geht an Land.
Das Wichtigste an Bord scheint wie bei anderen Kreuzfahrten auch das Essen zu sein. Vorteil bei den „Atlantis“-Reisen: es gibt keine gesetzten Tische beim abendlichen Dinner im Hauptrestaurant, jeder isst, wann er möchte. Feste Tischnachbarn gibt es nicht, die Tische werden jeden Abend neu zusammengewürfelt. Die Gesprächspartner wechseln, die Themen weniger: „Is it your first ‚Atlantis‘-Vacation?“ lautet die abendliche Standardfrage an die neuen Mitreisenden. Smalltalk, wie ihn die Amis lieben.
Das Publikum an Bord ist dennoch interessant. Da sind etwa die beiden Franzosen in den 40ern, die bereits ihre 28. schwule Kreuzfahrt erleben, seit sie vor fünf Jahren ihre Firma verkauft haben. Da ist der Österreicher, der sein Geld als einer der größten Vertreiber von Poppers auf dem Kontinent gemacht hat. Oder der Berliner Steuerberater, der im Verlauf der Reise noch negativ auffällt, weil er sich nachts telefonisch auf der Brücke beschwert, dass er nirgendwo Currywurst serviert bekommt…
Nicht minder wichtig an Bord sind die Partys, die immer mit einem Motto versehen sind. Beim „Dog Tag T-Dance“ am späten Nachmittag baumeln Hundemarken um den Hälse der Feiernden. Farbige Aufkleber signalisieren die individuellen Wünsche: Zwei mal grün bedeutet „Meet me in my room in 15 minutes“. Wobei das kaum einer ernst meint. Es geht eben doch eher ums Tanzen und Trinken – auch Hunde, die an Bord bellen, beißen nicht.
Apropos Party: „Atlantis“ kann sich in aller Regel die schönsten und neuesten Schiffe aussuchen, denn die Reedereien lieben die umsatzträchtigen All-Gay-Cruises: Schwule trinken erheblich mehr als die Passagiere auf gewöhnlichen Kreuzfahrten. Ein Mehr verkaufter Drinks bedeutet auch ein höheres Trinkgeld für die Crew. Mit entsprechendem Eifer sind die Mitarbeiter auf dieser Reise bei der Sache.
Zu den Partys gehört auch das passende Outfit. Auch hier sind es vor allem die US-Gäste, die beim „Disco-T-Dance“ oder beim Maskenball höchsten Wert auf ein perfektes Kostüm legen und entsprechend ausgestattet sind, während die europäischen Mitreisenden allenfalls noch für die „White Party“ etwas Passendes im Koffer haben. Gefeiert wird dennoch bis zum frühen Morgen auf dem brechend vollen Pooldeck. „Atlantis“ bringt eigene DJs mit, die sonst eher bei Szenepartys in L.A. auflegen.
Nach einer durchfeierten Nacht lässt sich problemlos ausschlafen, denn das Frühstück wird bis 13 Uhr serviert. An reinen Seetagen gibt es einen großen Brunch bis 14 Uhr. Bei einer gewöhnlichen Kreuzfahrt auf der „Celebrity Solstice“ würde man danach vergebens suchen.
Ansonsten bietet die Reise Unterhaltung, die Schwule lieben. So ist Comedian Pam Ann für das Bordtheater gebucht und auch Kimberley Locke, Sängerin aus dem DSDS-Vorbild „American Idol“, ist dabei. Ein international besetztes Betreuerteam kümmert sich um die Gäste. Denn auch wer alleine reist, soll sich nie allein fühlen. Das alles hat seinen Preis. „Atlantis“-Reisen sind teurer als andere Kreuzfahrten und ab 850 Euro pro Person und Woche in der Innenkabine zu haben.
Und das Drittwichtigste auf der Reise? Das ist dann doch der Sex! Sofern hierfür noch Zeit bleibt zwischen Spa, Restaurant und Pooldeck. So many men, so little time: schwule Kreuzfahrtprofis schreiben ihre Vorlieben an die Kabinentür. Und sie haben Visitenkarten dabei - mit Foto und Kabinennummer. Ansonsten würde es auch schwierig werden, den Flirt vom Nachmittag am Abend noch einmal wieder zu finden. Ein Teil der 14 Decks wird nachts zur inoffiziellen Cruising-Area. Die patrouillierenden Sicherheitskräfte drücken dabei wohl auf Anweisung alle Augen zu. Der große Vorteil beim Klären des obligatorischen „Zu mir oder zu dir?“: Weit ins Bett hat‘s hier niemand.
Matthias Morr
Leserstimmen
Lieber Webmaster, liebes Leo Team - wieso ist der Cityguide nicht aktuell und es fehlen so viele Einträge? ++++...
Na lasst sie doch machen, die Schwulen. Die hat's im alten Rom doch auch schon gegeben. Und was sagte doch kürzlich...
Eine Anti-Mobbing-Gesetz ist für uns alle das wichtigste, es sollte europaweit einheitlich sein und die Würde des...
Also ich meine das war eh lediglich eine Modeerscheinung
Unkritisches PR-Nachgequatsche. Auch damit hat "der erfolgreiche Verleger" und Ex-Maoist seine Millionen...
Hui - was ist denn das ? LEO im neuen online Design ! Scheeeeeeeeeeeen isses ^.^
Danke schön Peter für den Kommentar. Das finde ich fair und anständig. Gebe Dir vollstens Recht, dass der Kalender...
Lieber Bernhard, gerne will ich auf Deine Kritik eingehen. Warum keine Begrüßung? Leo ist keine Neuerscheinung auf dem...
Hallo liebe Leser. Überraschend kam die Übernahme der Hamburger Publigayte Gemeinde wohl für alle Leo Leser nicht....
Erst habe ich gezögert! das "LEO" Magazin April überhaupt nach 12 Monaten wieder mal in der Deutschen Eiche...
Leider muß ich wieder einmal feststellen das die damen und herren organisatoren nix aber auch gar nix verstanden haben....
Ja da schau her! Das ist doch eine tolle Seite und das Heft endlich mal in einem ansehnlichen Layout und auch...
Hey cool, herzlichen Glückwunsch zu Eurer neuen Seite, sieht klasse aus! Weiter so!