Wer am späten Sonntagabend die Evita-Bar im Herzen Tel Avivs betritt, glaubt weder Augen noch Ohren. Schwule Jungs tanzen zu Grand-Prix-Musik und performen nicht nur jeden Song lippensynchron, sondern beherrschen auch die dazugehörigen Choreografien so perfekt, als hätten sie persönlich am Eurovision Song Contest teilgenommen.
Diese Lebensfreude ist typisch für Tel Aviv, das seit langem als eine der spannendsten Partymetropolen am Mittelmeer gilt. Houseclubs wie Ha’oman 17 genießen international einen guten Ruf – und doch zögern viele Touristen bei dem Gedanken, ihren Urlaub ausgerechnet in Israel zu verbringen. Das Land wird immer noch mit Gewalt, Terror und Krieg in Verbindung gebracht.
Um dies zu ändern, setzt Tel Aviv nun auf gezieltes Marketing für Schwule: „Gay Vibe“ lautet der Slogan einer Werbekampagne, für die Stadt und Tourismusministerium 68.000 Euro locker gemacht haben. „Wir werden den Etat wahrscheinlich noch weiter aufstocken, denn der Schwulen-Tourismus ist ein viel versprechender Markt“ erklärt Pini Shani vom Tourismusministerium. Die Hoffnung: Wenn die als Trendsetter geltenden Schwulen Tel Aviv erst einmal als hippes Reiseziel erkannt haben, wird der Rest der Welt bald folgen. 2011 soll die Kampagne bereits ausgedehnt werden: Spanien, die USA und Südamerika sind dann das Ziel von „Gay Vibe“.
Entwickelt wurde die Kampagne gemeinsam mit den Aktivisten der Homo-Initiative „The Aguda“. Deren Sprecher Shai Doitch findet, dass sie Szene in Tel Aviv derzeit einen Boom erlebe. Auch das Selbstbewusstsein der Schwulen wächst: Immer häufiger wehen Regenbogenfahnen an den Balkonen von Privatwohnungen, und eine Einkaufsmeile wie die Shenkin Street unterscheidet sich kaum mehr von der Langen Reihe in Hamburg oder der Ehrenstraße in Köln.
Einen Boom erlebte auch der Gay Pride, der vor nicht allzu langer Zeit noch einigermaßen übersichtlich durch Tel Aviv zog und in diesem Sommer bereits 120.000 Teilnehmer zählte. Die Beachparty, die unmittelbar an die Parade anschließt, macht den Pride in Tel Aviv zu einem wirklichen Highlight. Doch Schwulenaktivist Adir Steiner weiß um ein Problem: „Die Menschen sehen in den Nachrichten oft nur israelische Soldaten, die Palästinenser töten. Warum sollten sie also nett zu Schwulen sein?“
Dass dies tatsächlich nur ein Ausschnitt der Realität ist, die hier sehr unterschiedliche Facetten hat, bereitet den Tourismusmanagern jedoch großes Kopfzerbrechen. Denn es ist das Bild, das Israel für viele Menschen zum touristischen No-Go macht. „Gay Vibe“ ist der Versuch, Tel Aviv und das gesamte Land als friedliches, entspanntes und spannendes Reiseziel in den Köpfen zu verankern. Aus Sicht des Ministeriums ein verständlicher Wunsch. Doch so lange die „weiße Stadt am Meer“ auch für Schwule noch so etwas wie ein Geheimtipp ist, macht sie als Reiseziel wesentlich mehr Spaß.
Do
17
Mai
2012
Fr
18
Mai
2012
Sa
19
Mai
2012
So
20
Mai
2012
Mo
21
Mai
2012
Di
22
Mai
2012
Mi
23
Mai
2012
Do
24
Mai
2012
Fr
25
Mai
2012
Sa
26
Mai
2012
So
27
Mai
2012
Mo
28
Mai
2012
Di
29
Mai
2012
Mi
30
Mai
2012
Do
31
Mai
2012
Fr
01
Jun
2012
Sa
02
Jun
2012
So
03
Jun
2012
Mo
04
Jun
2012
Di
05
Jun
2012
Mi
06
Jun
2012
Do
07
Jun
2012
Fr
08
Jun
2012
Sa
09
Jun
2012
So
10
Jun
2012
Mo
11
Jun
2012
Di
12
Jun
2012
Mi
13
Jun
2012
Do
14
Jun
2012
Fr
15
Jun
2012
Sa
16
Jun
2012
So
17
Jun
2012