Zum diesjährigen Münchner CSD sollte witzig und kontrovers diskutiert werden. Zumindest Letzteres ist gelungen. Die Mitte Februar veröffentlichte Entscheidung der Veranstalter, den CSD 2011 in Christina-Street-Day umzubenennen wurde wegen heftiger Proteste aus der Münchner Szene vier Wochen später zurückgezogen. Die Organisatoren sind enttäuscht und irritiert: vor allem die emotionale Wucht der Kritik hat sie getroffen.
Das war geschehen: Um lesbisches Leben und deren Anteil an der Community sichtbarer zu machen, sollte heuer ein Christina-Street-Day gefeiert werden. „Noch immer berichten die Medien mehrheitlich von einer Schwulenparade die durch das Schwulenviertel zieht“, so Thomas Niederbühl, Stadtrat der Rosa Liste und politischer Sprecher des CSD. Auch über die Eingetragene Lebenspartnerschaft würde mehrheitlich als „Schwulenehe“ berichtet.
Daher sollte der neue Titel für mehr lesbische Sichtbarkeit sorgen und das gleichberechtigte Miteinander von Lesben und Schwulen in der Stadt unterstreichen. Ein Vorhaben, das von den veranstaltenden CSD-Vereinen sowie dem „Runden Tisch“, einem Gremium unterschiedlichster Münchner Szenegruppierungen, unterstützt wurde. Auch aus dem Rathaus wurde Wohlwollen signalisiert.
Doch der Schuss ging gehörig nach hinten los. Denn die Offiziellen hatten nicht mit dem Echo gerechnet, das ihnen aus der Münchner Community nach Bekanntgabe dieser Entscheidung entgegen schlug.
Hier kam die „Ironie der mit einem Augenzwinkern vorgetragenen Idee“ (Niederbühl) gar nicht gut an. Die Folge: In verschiedenen Szenelokalen wurden Unterschriftenlisten ausgelegt und vor allem im Internet brach ein Sturm der Entrüstung los. So machten die Gegner der Umbenennung ihrem Ärger nicht nur auf der offiziellen Homepage des CSD München, sondern auch in anderen Onlineforen wie der Facebook-Seite „Gegen den Namen Christina Street Day“ Luft.
Die seriöseren Kommentare sprachen von „Geschichtsklitterung“ oder fanden nicht Idee „einfach nicht witzig.“ Weit weniger sachlich ging aber die Mehrheit der Kommentare mit dem Thema um: Sie warnten vor einer „Übernahme des CSD durch Lesben“, ereiferten sich über „lesbische Trittbrettfahrerinnen“ oder riefen dazu auf, bei der nächsten Parade Tomaten und Eier auf die Demonstrantinnen zu werfen.
Rita Braaz, Pressesprecherin des CSD zeigt sich erschüttert: „Leider hat sich gezeigt, dass in der Szene immer noch schnell ein großes Maß an Vorurteilen und Lesbenfeindlichkeit abrufbar ist.“ Auch gegen den Vorwurf der Geschichtsfälschung wehrt sie sich: „Bei den Aufständen 1969 haben Transsexuelle, Schwarze, Latinos und auch Lesben an der Seite der Schwulen gestanden. Die Behauptung, der CSD sei eine reine Schwulenparade ist die eigentliche Geschichtsfälschung.“
Dennoch wurde das Umbenennungsvorhaben rückgängig gemacht, „um die Schärfe aus der Diskussion zu nehmen und eine weitere Spaltung der Szene zu verhindern“, so Braaz. Doch die Diskussion ist damit nicht beendet: Im Rahmen der Pride-Veranstaltungen soll dieser Diskurs noch einmal genau unter die Lupe genommen werden. Immerhin kann Thomas Niederbühl dem ganzen etwas Positives abgewinnen: „Die Diskussion hat gezeigt, wie sehr sich die Szene mit der Marke „Christopher-Street-Day“ identifiziert und dass sie sich diese offenbar nicht wegnehmen lassen möchte.“
Die Organisatoren rufen nun die Szene auf, sich Gedanken über ein geeigneteres Motto für den CSD 2011 zu machen. Vom Vorhaben, die lesbische Szene dabei in den Mittelpunkt zu rücken, weichen sie allerdings nicht ab. Vorschläge werden noch bis zum 3. April entgegen genommen.
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Danke schön Peter für den Kommentar. Das finde ich fair und anständig.
Gebe Dir vollstens Recht, dass der Kalender und der Cityguide grundlegend erneuert werden muß. Was ist mit dem Cover? Wieso sollte jemand Leo mitnehmen, wenn auf romeoliebt... Gratis Eintrittskarten und aktuelle Infos bequem im Internet zu haben sind. Außerm behaupten die Wirtsleute, Hotelliers die Anzeigen seien teuer und das Heft wird kaum mitgenommen. Was ist mit der Stadt Augsburg? Selten sieht man dort ein Heft in den einschlägigen Sexshops & Kneipen (die wenigen, die es gibt!) Augburg - München liegt näher als Nürnberg!
Ich wünsche Euch Gutes Gelingen Bernhard
Hallo liebe Leser. Überraschend kam die Übernahme der Hamburger Publigayte Gemeinde wohl für alle Leo Leser nicht. Lange Zeit hatte man das Gefühl das Heft liegt vor sich hin und wird kaum noch gelesen.
Leo ex. Sergej fehlt Michael Gentschy als "Leitwolf", geschmackvolle Cover, bessere Übersicht, Rubriken für Jung (Jugendzentrum Blumenstraße) und Alt (Gay and Grey) Thematik. Man hat den Eindruck es fehlt ein klares Zukunfts-Konzept & Geld. Warum schreibt der Inhaber Peter in Hamburg keine Begrüßung ins Heft?
"Our Munich" mag 2005 auch untergegangen sein, aber wenigsten das Design war bis zum Schluß sehr gut.
München ist übrigens eine Stadt mit vielen, sehr vielen Touristen – wichtig wäre vorallem mal die Kneipen, Badeseen, schwule Hotels/Pensionen, Biergärten, Cafes, Saunen, Wellness-Massagen inkl. Haarentfernung, Apotheken, Sexshops in einer Serie vorzustellen – wenn möglich kleiner englischer Text dazu.
Redaktionell ist das doch gut vorzubereiten, da sicher die Wirtsleute, Firmeninhaber auch was dazu beitragen werden. Es gibt nicht nur die Deutsche Eiche in München ...
Nun bin ich gespannt auf Euren Kommentar & Reaktion – hoffe alles wird so veröffentlicht ...
Freundliche Grüße Bernhard, Klenzestraße, Glockenbachviertel
Lieber Bernhard,
gerne will ich auf Deine Kritik eingehen. Warum keine Begrüßung? Leo ist keine Neuerscheinung auf dem Münchner Stadtmagazinmarkt und der Redaktionsleiter ist nach wie vor Bernd Müller. Es handelt sich also nicht um eine Neuein- sondern um die Weiterführung eines Stadtmagazins.
Was die inhaltliche Ausrichtung von Leo betrifft: Hier kommt dasselbe Konzept zum Tragen wie auch beim hinnerk – Hamburgs schwules Stadtmagazin (www.hinnerk.de -> E-Paper): Ein schwules (und in München auch lesbisches) Stadtmagazin, das den Hauptfokus auf Themen legt, die die Münchner und Nürnberger Homoszene bewegen und das für diese Zielgruppe interessante Zusammenhänge aufbereitet.
Ganz wesentlich für das Selbstverständnis eines Stadtmagazins ist dabei ein guter Serviceteil und damit eine Verbesserung des Nutzwertes für den Leser. Zum Beispiel mit dem Kalender, der zukünftig auch einen deutlichen Schwerpunkt auf den Kulturbereich legen wird. Beim Lesen des bisherigen Leos konnte man denken, in München gibt es keine Kultur. Das werden wir entwickeln. ebenso den Cityguide. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass so etwas nicht von heute auf morgen geht. Und es ist natürlich auch eine wirtschaftliche Frage, denn schließlich liegt der Leo für die Leser kostenlos aus.
Von daher hoffe ich auf Deine wohlwollende Begleitung.
Mit freundlichem Gruß
Peter Goebel
Leider muß ich wieder einmal feststellen das die damen und herren organisatoren nix aber auch gar nix verstanden haben. den kritikern der umbenennung ging es nicht um lesbenfeindlichkeit. wir wehrten uns gegen die umbenennung, da es sich um eine frage der lächerlichmachung von geschichtlichen tatsachen handelte. ich weiß ja nicht wo die mehrheit unsachlich und lesbenfeindlich diskutiert haben soll. in den threads die ich/wir gelesen haben jedenfalls nicht. mir scheint das hier die rosarote brille den blick vernebelt hat und hinter jedem kommentar eine pauschale lesbenfeindlichkeit unterstellt wird.
auch scheint mir eine sehr große kluft zwischen den organisierten und den nichtorganisierten lesben zu bestehen. meine erfahrung ist, daß sehr viele lesben diese art der "in die öffentlichkeit zerrens" nicht gut finden. so fand ich einen sehr interessanten post in dem eine ehmals aktive lesbe feststellte, daß unter ihnen die grabenkämpfe ja eigentlich noch schlimmer sind als zwischen schwulen und lesben. vielleicht ist es an der zeit, daß sich die "mädels" auch mal untereinander einig werden was sie wollen.
ich denke es hat sich jetzt gezeigt, dass sich die community nicht alles aus dem elfenbeinturm aufdrängen lässt und sich sehr wohl zur wehr setzen kann. diese tatsache sollte den organisatoren zu denken geben. wer die community bei solchen entscheidungen aussen vor hält und vor vollendete tatsachen stellt, darf sich nicht wundern wenn er dann widerstand erfährt.
als absolut positiv stelle ich fest: die community lebt und mischt sich ein.
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