Berlin, Frühjahr 1931: Die dekadente Berliner Kabarettszene ist in vollem Schwung, als der junge Christopher Isherwood seinem Freund und gelegentlichem Liebhaber, dem Dichter W. H. Auden, in die deutsche Hauptstadt folgt. Für den schüchternen Isherwood ist die schnelllebige Schwulen-Subkultur Berlins aufregend und betäubend zugleich. Das dramatische Scheitern einer Liebesbeziehung zwingt ihn zur inneren Einkehr und hilft ihm, sich selbst und seinen Platz im chaotischen Berlin der frühen 30er Jahre zu finden.
Zu den turbulenten politischen Entwicklungen bewahrt Isherwood - im Unterschied zu seinen Freunden Gerald Hamilton, Jean Ross und dem wohlhabenden jüdischen Kaufmann Wilfrid Landauer - zwar Distanz, in Herzensdingen ist er jedoch weniger bedacht. Er verliebt sich in Heinz, einen jungen, gutmütigen Straßenkehrer. Als der Einfluss der Nazis wächst und sich auch der Bruder von Heinz dem jungen Paar gegenüber zusehends feindlich zeigt, beschließt Christopher, gemeinsam mit Heinz aus Berlin zu fliehen.
Doch in Großbritannien wehrt man sich gegen den homosexuellen und vermeintlich illegalen Einwanderer. Heinz wird festgenommen und nach Deutschland zurückgebracht. Dort erwarten ihn Gefängnisstrafe, Zwangsarbeit und die mögliche Einberufung in die Armee. Christopher kehrt erst nach dem Krieg nach Berlin zurück, und es kommt zu einem bittersüßen Wiedersehen der beiden Liebenden. Geoffrey Sax verfilmte diese Geschichte mit Matt Smith (Christopher) und Douglas Booth (Heinz).
Christopher Isherwood hatte 1939 den autobiografischen Roman „Leb wohl Berlin“ verfasst, der diese Zeit zum Gegenstand hat. Zwischen 1929 und 1933 lebte er als Sprachlehrer in der damaligen Reichshauptstadt: Zunächst im Sexualwissenschaftlichen Institut Magnus Hirschfelds, zuletzt in der Nollendorfstraße 17 in Schöneberg; dort erinnert heute eine Gedenktafel an ihn.
Motive aus „Leb wohl Berlin“ gingen schließlich in den Musical-Welterfolg „Cabaret“ ein. Den legendären Filmklassiker mit Liza Minnelli zeigte Arte zum Auftakt des Themenabends. Minellis Durchbruch mit „Cabaret“ war zugleich auch der Höhepunkt ihrer Filmkarriere, die sich später zwar noch mit weiteren Filmen fortsetzte, einen vergleichbaren Welterfolg auf der Leinwand jedoch nicht mehr zu bieten hatte.
Wie in den vergangenen fünf Jahren überträgt Arte auch in diesem Jahr wieder die Verleihung des Teddy Awards, des schwul-lesbischen Filmpreises für Kurz-, Dokumentar- und Spielfilme von der Berlinale. Diese Auszeichnung, die seit nun 25 Jahren fester Bestandteil der Internationalen Berliner Filmfestspiele ist, fordert dazu auf, unterschiedliche sexuelle Orientierungen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem John Hurt, Helmut Berger, Pedro Almodóvar und Werner Schroeter.
Der Arte-Themenabend im Überblick:
20.15 Uhr: Cabaret (Spielfilm, USA 1972)
22.15 Uhr: Christopher und Heinz – Eine Liebe in Berlin (Spielfilm, GB 2010)
23.50 Uhr: 1000 Küsse für den Teddy – Gala aus der Abfertigungshalle Tempelhof (Aufzeichnung vom Freitagabend)
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