Die Filmschlager und Couplets der Weimarer Zeit scheint Max Raabe weitgehend abgegrast zu haben. Nun musste kurzerhand neues Material für ihn und sein Palastorchester geschrieben werden: Gemeinsam mit Annette Humpe als Ko-Autorin und Produzentin sind dezent-schmissige wie melancholische Liebeslieder voller Sprachwitz entstanden. Statt des historisierenden Swingsounds spielt das Palastorchester nun einen fein ausdifferenzierten, oft schwelgerischen Klangteppich. Das Resultat ist ein Crossover der besonderen Art: zwölf feinsinnige Ohrwürmer mit Hitpotential, die parallel auch in einer Popversion erscheinen.
Stefan Mielchen traf ihn Max Raabe in einem Hotel in Hamburg. Der Sänger zeigte sich formvollendet: Zum Abschied fragte er: „Wollen sie vielleicht noch einen Keks mitnehmen?“
Max, ihr neues Album ist gemeinsam mit Annette Humpe entstanden. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Wir haben uns zufällig getroffen und überlegt, dass wir mal etwas zusammen machen könnten. Ein paar Monate später rief sie an und sagte: Ich habe da so eine Idee…
…die Titelzeile „Küssen kann man nicht alleine“, die ihr beim Fahrradfahren eingefallen ist. Wo kommen ihnen die besten Ideen?
In den unmöglichsten Situationen! Das ist immer ganz dramatisch, weil ich Dinge auch sehr schnell wieder vergesse. Ich muss das immer gleich aufschreiben. Aber Annette hat die Zeile nicht vergessen, hat mir eine Melodie dazu auf dem Klavier vorgespielt und gesagt: Sing doch mal! Das war genial, denn es klang so, als ob es das schon mal gegeben haben müsste.
Wieviel Muße ist nötig, um ein ganzes Album selbst zu komponieren?
Das war sehr viel Arbeit. Wir hatten im vergangenen Februar gerade mal zwei Titel und einen dritten in Arbeit. Als wir uns das erste Mal getroffen haben, hieß es: Wir können ja mal ein Lied zusammen schreiben. Und dann fiel uns noch eine Idee ein und noch eine! Wir haben so oft wie möglich zusammen gesessen und den ganzen Sommer durchgeschrieben: entweder bei Annette in der Küche, an einem Badesee oder in einem Obstgarten…
Der Grundton des Albums ist heiter-melancholisch. Entspricht das ihrem Typ?
Ja, ganz bestimmt. Da ist eine Menge drin von mir, meinem Humor und meinem Blick auf die Welt. Aber nicht so, dass man eine hundertprozentige Erkenntnis über mein Seelenleben gewinnen könnte.
Es gibt einen sehr berührenden Titel zum Thema Krise…
…und er berührt interessanterweise fast jeden, der ihn hört, egal wie alt er ist.
Wie viel Max Raabe ist darin enthalten?
Natürlich kenne ich auch meine kleinen Krisen. Die waren bisher aber Gott sei Dank nie existenziell. Ich habe zumindest die Erkenntnis gewonnen, dass sie auch wieder weggehen. Und das schlägt sich auch in diesem Lied nieder…
…das dem Hörer ein Happy End anbieten muss?
Ja, das muss schon sein: Dafür machen wir ja Unterhaltung!
Das Album „Küssen kann man nicht alleine“ erscheint am 28. Januar bei Universal/Decca. www.maxraabe.de
Und hier das hinreißende Video zu "Küssen kann man nicht alleine":
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