Wer dächte hier nicht an „Moulin Rouge“? Kostüme, Bilder, Musik: ein einziger Rausch, ein Schwelgen. Fast zehn Jahre nach der großartigen Filmrevue von Baz Luhrmann hat es „Burlesque“ deutlich schwerer: In diesen Olymp der Filmkunst wird das Varieté-Drama (Regie: Steven Antin) nicht aufsteigen, auch wenn hier ebenfalls große Show geboten wird.
Die Story ist etwas dünn und vorhersehbar. Der Kitsch ist nicht kitschig genug, die Emotionen recht glatt geraten. Der Zuschauer leidet, anders als in „Moulin Rouge“, nicht wirklich mit dem Liebespaar, das sich erst über die üblichen Umwege kriegt. Gleichwohl: Das wird der schwulste Film des Jahres!
Willkommen im Burlesque: „Wir haben keine Fenster, aber die beste Aussicht auf den Sunset Strip“ lautet das Motto des Revue-Theaters in L.A., das schon deutlich bessere Tage gesehen hat. Ein wenig aus der Zeit gefallen, lockt es mit Titten und Tamtam. So entsteht trotz bröckelnder Fassade die perfekte Illusion. Folgerichtig also, Theaterchefin Tessa mit der Urmutter dieses Prinzips zu besetzen: Cher.
Landei Ali (Christina Aguilera) geht nach Los Angeles, um ihr Glück zu machen. Statt als Showgirl auf der Bühne landet sie als Kellnerin in Tessas Club, wo Barkeeper Jack zunächst zum Kumpel und später zu ihrem Lover wird. Da das Theater vor der Pleite steht, tritt noch das Böse in Form des charmanten Immobilienmoguls Marcus auf, der Ali umgarnt. Am Ende aber siegt natürlich das Gute, aus dem hübschen Aschenputtel wird ebenso selbstverständlich der Star der Show. That’s Entertainment!
Wer sich von dieser Geschichte löst, erlebt einen rasant getanzten Tuntentraum. Christina Aguilera wird genügend Raum für Gesang und Spiel gegeben. Cher aber bleibt die dramatische Solonummer vorbehalten, in der sie mal eben klar macht: „You haven’t Seen the Last of Me“. Das lässt hoffen.
Vom ersten Augenblick an ist man in Jack (Cam Gigandet) verliebt, diesen fleischgewordenen feuchten Traum mit den unglaublichen blauen Augen. „Jetzt ist es also amtlich: Du bist definitiv nicht schwul“ bilanziert Ali nach dem ersten gemeinsamen Sex. So lässt sich ein doofes Klischee hübsch wenden: Der schönste Mann des Hauses entpuppt sich als – Hetero! Die offizielle Tucke wird von Stanley Tucci („Der Teufel trägt Prada“) gegeben, der als rechte Hand von Cher jenen trockenen Witz beisteuert, mit dem allzu viel Süßlichkeit vermieden wird.
„Nur eine Legende erschafft einen Star“ heißt es in der „Burlesque“-Werbung. Das ist eine satte Tiefstapelei: Christina Aguilera ist ja längst wer! Die Legende aber lebt – und das ist die gute Nachricht des Films. So camp wie Cher wird das 30-jährige Blondchen an ihrer Seite zwar nie werden. Muss sie aber auch nicht. Es reicht, dass sie für 120 Minuten die Sehnsucht nährt, dass man es aus einem Kaff in Iowa bis in die erste Reihe schaffen kann. Unzählige Showtunten werden dies dankbar zur Kenntnis nehmen.
„Burlesque“ (USA 2010). Regie: Steven Antin. Mit: Cher, Christina Aguilera, Stanley Tucci, Cam Gigandet, Eric Dane, Kristen Bell u.a.. 120 Minuten,
Kinostart: 6. Januar, www.burlesque-derfilm.de
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