Geschickt heizte Stefani Joanne Angelina Germanotta (so ihr bürgerlicher Name) die Erwartungen über die Monate hinweg an: Erst veröffentlichte sie im Februar die multiethnische und -sexuelle Selbstbehauptungshymne „Born this way“, mit der sie in Windeseile weltweit Online-Verkaufsrekorde brach und sich endgültig als Homo-Ikone ein vorzeitiges Denkmal setzte.
Dann folgte der kalkulierte Skandal mit der Nachfolgesingle „Judas“, einen Monat später begleitet von einem wieder einmal kontroversen Video, das erwartungsgemäß die christliche Rechte in den USA erzürnte. Scheinbar alle gängigen Regeln der Plattenindustrie außer Kraft hebelnd, warf sie in kurzer Folge noch zwei weitere Vorab-Singles auf den Markt, die munter miteinander um die besten Charts-Positionen konkurrierten.
So perfekt wie vor ihr vielleicht nur Madonna in ihren Hoch-Zeiten bedient die gerade mal 25-Jährige seit Beginn ihrer gerade mal drei Jahre alten Karriere die Klaviatur aller ihr willig zu Füßen liegenden Medien. Mit zehn Millionen „Followern“ hält sie den einsamen Twitter-Rekord. Vergleiche drängen sich geradezu auf. Klingt „Born this way“ nicht wie von „Express Yourself“ geklaut? Sind Outfits, Bühnenperformance, exaltiertes öffentliches Auftreten nicht allzu sehr vom Vorbild abgekupfert?
Eigentlich ein bisschen ungerecht, denn natürlich lassen sich ernst zu nehmende Musiker von dem inspirieren, was vor ihm (oder ihr) existierte. Und im Gegensatz zu Madonna schrieb sich Lady Gaga von Anfang an ihr eigenes Material zusammen.
Über all dem PR- und Klatsch-Getöse kann die Musik leicht zu kurz kommen. Mit „Born this way“ hat Lady Gaga (von zwei, drei eher uninspirierten Aussetzern abgesehen) ein nahezu perfektes Pop- und Dance-Album vorgelegt. Gleich zu Beginn schickt uns die Neo-Diva mit dem programmatischen Elektro-Stampfer „Marry the Night“ in lange Party-Exzesse. Herrlich camp und überkandidelt kommt „Americano“ mitsamt seiner Mariachis und Kastagnetten daher. „I don’t speak German, but I wish I could“, räumt Frau Gaga ein, was sie nicht davon abhält, erst einmal in einem Mix aus Muppet-Chefkoch-Dänisch und deutschen Babelfisch-Brocken zu brabbeln und im Refrain gar noch „Verdammte Scheisse“ zu singen – jenseits aller gar nicht so nötigen Gimmicks ist der Track ebenso eingängig gelungen wie „Bad Kids“, „Highway Unicorn“ oder das überschwängliche „The Edge of Glory“ (Single Nr. 3).
Dass sie nebenbei in ihren jungen Jahren schon eine Weltklasse-Musikerin ist, beweist Lady Gaga mit dem vom Tempo her ordentlich zurückgenommenen „Bloody Mary“ und dem Westcoast-Rocker „You and I“ - ein Song, für den Sheryl Crow morden würde. Absolutes Highlight aber ist die neue Dancefloor-Hymne „Hair“ (Single Nr. 4), die etliche Jungmausis wahrscheinlich zum Frisur-Ruinieren animieren wird.
Das ist schon Weltklasse. Schafft sie es, ihr Niveau zu halten und gar noch zu steigern (wie vor ihr Madonna), dann werden wir noch lange Jahre Freude an Ms. Germanotta haben.
Das Album „Born this way“ ist bei Universal erschienen. Mehr unter www.ladygaga.com
Do
17
Mai
2012
Fr
18
Mai
2012
Sa
19
Mai
2012
So
20
Mai
2012
Mo
21
Mai
2012
Di
22
Mai
2012
Mi
23
Mai
2012
Do
24
Mai
2012
Fr
25
Mai
2012
Sa
26
Mai
2012
So
27
Mai
2012
Mo
28
Mai
2012
Di
29
Mai
2012
Mi
30
Mai
2012
Do
31
Mai
2012
Fr
01
Jun
2012
Sa
02
Jun
2012
So
03
Jun
2012
Mo
04
Jun
2012
Di
05
Jun
2012
Mi
06
Jun
2012
Do
07
Jun
2012
Fr
08
Jun
2012
Sa
09
Jun
2012
So
10
Jun
2012
Mo
11
Jun
2012
Di
12
Jun
2012
Mi
13
Jun
2012
Do
14
Jun
2012
Fr
15
Jun
2012
Sa
16
Jun
2012
So
17
Jun
2012