Wir haben es schon immer geahnt, aber jetzt ist es offiziell: Du bist Aphrodite, die Göttin der Liebe?
Nun, den Song habe ich nicht selbst geschrieben, aber jetzt steht es da. Und ich habe beschlossen, mich ganz darauf einzulassen. Trotzdem erliege ich nicht der Illusion, tatsächlich Aphrodite zu sein.
Im Video zur Single „All The Lovers“ lässt du dich im wahrsten Sinne des Wortes von einer Menschenmenge tragen…
Ja, und zum Glück für alle Beteiligten wiege ich nicht viel. Für mich war das kein Problem, ich bin es geradezu gewohnt, von Männern getragen zu werden.
Männern und Frauen in diesem Fall. Aphrodite erhebt sich aus einer Ansammlung halbnackter Menschen…
Das stimmt. Welche Hände mich zuletzt tatsächlich in die Höhe gehoben haben, kann ich gar nicht sagen. Ich war schon genug damit beschäftigt, die Arme in den Himmel zu strecken und dabei meine Körperspannung zu halten.
Und dazu beschwörst du das Mantra: „More Love! More Love! More Love!“
Ist das nicht eine großartige Botschaft? Diese Art der Euphorie erstreckt sich über das gesamte Album, auch wenn die Botschaft nicht wörtlich in allen Songtexten auftaucht. Die Grundhaltung von „Get Outta My Way“ ist beispielsweise nicht gerade euphorisch, sondern eher siegesbewusst.
Deine neuen Songs sind alle sehr schnell und Dancefloor-tauglich. Balladen kamen für dich dieses Mal nicht in Frage?
Ja, in dieser Beziehung kennt „Aphrodite“ keine Gnade. Bei „Everything Is Beautiful“, dem Stück, an dem Tim Rice-Oxley von Keane mitgeschrieben hat, wird es mal etwas ruhiger. Aber auch dieser Song ist keine Ballade. Wir haben uns schon sehr früh vorgenommen, für langsame Nummern keinen Platz zu lassen. Ich bin jedenfalls super glücklich mit dem Ergebnis. Und erleichtert.
„Wir“ – das heißt du und Stuart Price?
Ja, ich habe zwar wieder mit vielen verschiedenen Produzenten zusammengearbeitet, aber dieses Mal werden die Songs durch Stuart Price in seiner Rolle als Koproduzent zusammengehalten. Deshalb klingt das Album jetzt wie aus einem Guss.
Deine schwulen Fans haben dich schon immer besonders hoch gehalten…
Ja, sie haben mich von Anfang an unterstützt. Und sie standen ganz gewiss auch in Zeiten zu mir, in denen ich nicht mehr so viel Erfolg wie zu Beginn meiner Karriere hatte.
Und was, glaubst du, lieben sie an Kylie?
Zu Beginn meiner Karriere war ich dank meiner Rolle in der TV-Serie „Neighbours“ sehr erfolgreich. Danach wurde meine erste Single „The Loco-Motion“ in Australien zur erfolgreichsten Platte des Jahrzehnts. Aber nachdem ich anfangs gefeiert worden war, folgten auch schon bald sehr böse Kritiken. Damals hätte ich mich am liebsten verkrochen, aber ich musste meinen Verpflichtungen nachkommen und mich tagtäglich sehen lassen. Selbst wenn man sich in gewissen Teilen der Öffentlichkeit und der Medien über mich lustig gemacht, mich gedemütigt hat. Ich glaube, dass damals ein großer Teil meiner schwulen Fans beschlossen hat, an Bord zu kommen, um mich zu verteidigen. Im Grunde hatte ich nichts falsch gemacht, ich war einfach, wer ich war. Offenbar konnten sie etwas damit anfangen. Mit vielen habe ich eine gemeinsame Geschichte, die jetzt schon über 20 Jahre andauert und hoffentlich noch lange weitergeht.
Vermutlich ist es gar nicht so leicht, die Bodenhaftung zu bewahren, wenn einen die Leute ständig über alles erheben. Etwa so, wie es die Leute in dem Video zu „All The Lovers“ machen…
Ja. Das stimmt aber nur, wenn du dabei immer nach oben siehst und die Leute um dich herum nicht bemerkst. Ich habe viel Respekt für meine Fans und all die Leute, die mich umgeben. Ich bin vielleicht da oben, aber ich weiß, dass ich durch sie mit dem Boden verbunden bin… Das ist eigentlich eine nette Analogie. Ich bin froh, dass wir das erarbeitet haben.
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