Andy, wer oder was ist „Hercules and Love Affair“?
Eine Art Projekt. Ich habe schon immer Songs geschrieben, mehr für mich und nur zum Spaß. Meine Freunde, zu denen eben auch Antony (von den Johnsons) und die anderen Musiker des ersten Albums gehörten, haben als Sänger mitgewirkt. Im Laufe der Jahre haben sich einige Songs angesammelt, und schließlich war es Antony, der mich ermutigte, diese auch zu veröffentlichen.
Du arbeitest auch als DJ – was war zuerst: Songschreiben oder DJ-Karriere?
Ich habe zuerst Songs geschrieben, die ersten als ich elf war. Bei uns zu Hause gab’s ein Klavier, das aber irgendwie nur zu Dekozwecken rumstand. Es war total verstimmt, aber ich habe trotzdem immer nach der Schule darauf gespielt. Meine Mutter hat mich dann zur Musikschule geschickt, und mein Lehrer hat mich ermutigt, eigene Songs zu komponieren. Mit fünfzehn habe ich dann House-Music entdeckt, das hat alles verändert.
Du hast schon mit 15 anfangen, als DJ aufzulegen?
Ja!
Deine ersten DJ-Gigs waren in einem schwulen Lederclub. Dann hattest du also auch ein frühes Coming-out?
Ja, mit fünfzehn in Denver, Colorado. Ich habe dort eine Gruppe sehr kultivierter Schwuler kennen gelernt, die Ahnung von guter Musik, guten Filmen und guter Kunst hatten. Von denen habe ich viel gelernt und sie haben mich in meiner Kreativität unterstützt. Das war echtes Glück!
Es gibt viele schwule Künstler, die besonderen Wert darauf legen, dass sie in erster Linie Künstler sind, und den schwulen Aspekt nicht betont haben wollen. Wie siehst du das?
Ich denke, dass jeder seine Gründe hat, wieso er über bestimmte Dinge nicht sprechen möchte. Für mich war es aber immer wichtig, so etwas wie die schwule Kultur zu verfechten. Ich empfinde es als großes Glück, dass ich so früh mit kultivierten schwulen Männern zu tun hatte, mit ihrer Ästhetik, die für sie als Schwule einzigartig ist. Ich habe dadurch viel über mich und meine Identität als Schwuler gelernt, vor allem auch was Souveränität angeht. Der erste Song des Albums „Painted Eyes“ ist zum Beispiel Coco Chanel gewidmet – welcher Hetero würde das machen?
Ein anderer Song handelt von deiner sexuellen Entwicklung…
Natürlich nicht so explizit, aber das waren schwule Erlebnisse, die ich auch nicht leugne. Sich frei zu fühlen, seine Scham zu verlieren und Probleme zu überwinden sind wichtige Themen in meinen Songs. Und ich finde, unsere Musik hat eine gewisse Sensibilität. Keine Ahnung, ob man das als schwul bezeichnen kann, aber ich denke, dass mich meine Entwicklung für gewisse Dinge sensibilisiert hat. Gender-Themen waren immer wichtig, ich verstecke auch nicht die schrillen Seiten, das sind alles gute Dinge. Ich schrecke also definitiv nicht vor dem schwulen Aspekt meiner Musik zurück!
Eure Auftritte sind nicht, wie man es bei einem Dance-Projekt erwarten würde, Club-Gigs, sondern richtige Konzerte. Wie kommt das?
Weil unsere Musik auf Songs basiert, nicht auf Dance-Tracks. Die sind meist sehr minimalistisch gehalten und oft ohne Vocals. Unsere Songs sind reich orchestriert, mit vielen Sängern und alles ist sehr musikalisch. Ich mag Dance-Tracks, aber mein Album sollte richtige Songs enthalten, die nicht nur im Club funktionieren. Hercules and Love Affair ist eine alternative Popband, die sehr von Dancemusic beeinflusst ist. Das kann alles sein, Disco, House oder Ambient Sound.
Das Album „Blue Songs“ von Hercules and Love Affair erscheint am 29.Januar bei Cooperative/Universal. www.inlovewithhercules.com
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