Im Knast herrschen eigene Gesetze und strenge Hierarchien. Ganz unten in der Hackordnung steht, wer neu in diesem Mikrokosmos und damit schwach ist. Der hat nicht nur Mobbing und Psychoterror, sondern auch sexuellen Missbrauch zu fürchten. Ein besonders schlimmer Fall hatte sich 2005 in der Jugendstrafvollzugsanstalt Siegburg ereignet, bei dem drei Häftlinge ihren Zellengenossen folterten, missbrauchten und schließlich zum „Freitod“ nötigten.
Trash-Regisseur Uwe Boll hatte diesen Fall mit „Siegburg“ (2008) als klaustrophischen Gewaltporno verarbeitet. Philip Kochs Debütfilm „Picco“ ist unerbittlich und damit auch fast unerträglich in der Rigorosität, in der er diese eskalierende Spirale aus Frust, Gewalt und Grausamkeit re-inszeniert. Dieser Film geht an die Grenzen und an die Nerven, doch das kühl und klar inszenierte Drama gerät dabei - anders als „Siegburg“ - niemals zu schlichtem Voyeurismus.
Koch zeigt die Strukturen und Mechanismen der Unterdrückung mit sezierendem Blick. Sexueller Frust entlädt sich erst in dumpfer Homophobie und schließlich in ungehemmter, brutaler Vergewaltigung. Sicherlich kein Film für einen gemütlichen Kinoabend. Bei den Festivals von Saarbrücken und Cannes haben die Zuschauer in Scharen die Vorführungen verlassen. In diesem Falle darf Philip Koch dies als Kompliment verstehen.
„Picco“. Regie und Buch: Philip Koch. Mit Constantin von Jascheroff, Joel Basman, Frederick Lau, Jule Gartzke, Leonie Benesch, Enno Trebs. D 2010, 104 Min, www.picco-film.de
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