Das muss man auch erst mal schaffen: Erwin In het Panhuis hat 50 Jahrgänge „Bravo“ akribisch durchforstet, für sein Buch „Aufklärung und Aufregung“ allerdings gezielt nach den Beiträgen zu Homosexualität Ausschau gehalten. Das Ergebnis präsentiert er am Sonntag im MHC
Rund 1000 Artikel konnte der Kölner Bibliothekar und Mitarbeiter des Centrums Schwule Geschichte in den über 2600 gesichteten „Bravo“-Ausgaben der Jahre 1956-2006 zusammentragen: Starporträts zu offen schwulen Musikern wie Jimmy Somerville, Boy George und Andy Bell oder - in neuerer Zeit - Daniel Küblböck. Vor allem aber Aufklärungsreportagen und Leserbriefe in Sachen gleichgeschlechtlicher Liebe und Sex.
So manches aus der Frühzeit des Magazins, das sich nun in dem mit reichlich Beispielen gefütterten Band entdecken lässt, liest man heute eher amüsiert. „Ich ließ zu, dass er mein Glied anfasste – bin ich schwul?“ fragt da etwa ein junger Tramper besorgt. Ob die vielen Pickel im Gesicht vielleicht Hinweise aufs Schwulsein sein könnten, mutmaßte im Jahre 1992 ein vierzehnjähriger Dirk.
Überraschend allerdings auch, welch konservative Wertmaßstäbe und Klischee beladene Bilder von Homosexuellen in „Bravo“ zumindest die 1960er Jahre hindurch vermittelt wurden. Überall lauerte die Verführung durch Schwule, und Rettung für die zum Unglücklichsein verdammten Homosexuellen gab es nur durch Psychiater und Hormontherapien.
Mit der Reform des Paragrafen 175 änderte sich allmählich auch die Haltung der „Bravo“-Ratgeberredaktion, maßgeblich durch den Psychotherapeuten Dr. Martin Goldstein, der als Dr. Jochen Sommer für fortschrittlichere Akzente sorgte. Die Folge: Wegen zweier Aufklärungsreportagen über lesbischen und schwulen Sex wurden 1972 zwei Ausgaben als jugendgefährdend auf den Index gesetzt. Für kurze Zeit musste das Blatt deshalb ums Überleben kämpfen.
Erwin In Het Panhuis belässt es glücklicherweise nicht allein bei der schlichten Präsentation solcher besonderer „Bravo“-Artikel, sondern setzt sie in kritischen wie analysierenden Zusammenhang. Ganz nebenbei ergibt sich so ein Spiegelbild des allmählich offeneren Umgangs mit Homosexualität in unserer Gesellschaft. Wirklich progressiv in Sachen Sexualaufklärung, auch das zeigt das Buch, war die „Bravo“ allerdings nie.
Erwin In het Panhuis präsentiert „Aufklärung und Aufregung: 50 Jahre Schwule und Lesben in der BRAVO“ mit einer Bild- und Tonshow am 19. September um 18 Uhr im Magnus Hirschfeld Centrum, Borgweg 8
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