Für schwule Nachgeborene, die bereits mit Wall-Toilettenanlagen und Internet-Cruising aufgewachsen sind, mag es kurios erscheinen, dass es einmal Zeiten gab, da sich Gleichgesinnte an den Pissrinnen öffentlicher Klos zum Austausch von Körperflüssigkeiten trafen. Aus den schmuddeligen Klappen mit durchlöcherten und eindeutigen Graffitis verzierten Zwischenwänden als schwule Balzlocation wurden mittlerweile Hightec-Stadtmöbel.
Frank Ripplohs Filmklassiker „Taxi zum Klo“ von 1980, der nun zum 30jährigen Jubiläum technisch aufgefrischt als „Director’s Cut“ auf DVD erscheint, wird damit zum Filmdokument. So schmuddelig trist und glamourfrei also war das gute alte West-Berlin, und so lasterhaft und dauergeil trieben es die Schwulen an der Spree auch schon zu Zeiten mit Mauer und ohne Aids.
Das Filmdebüt des 2002 verstorbenen Ex-Hauptschullehrers Frank Ripploh bleibt ein Kuriosum der deutschen schwulen Filmgeschichte. Hier gibt’s weder Homophobie anzuprangern, noch wird an Unterdrückung gelitten, sondern einfach schwul gelebt samt Tuntenball, Kaffeeklatsch und Kegelabend mit Kollegen. Mit Selbstironie, Witz und auch einigem Exhibitionismus spielt Ripploh den umtriebigen Lehrer Frank, der ausgerechnet mit einem Heimchen am Herd liiert ist. Sein Lebensgefährte Bernd (Bernd Broaderup) träumt vom Häuschen im Grünen und mag’s zuhause ordentlich und monogam. Beziehungsstreit ist da vorprogrammiert, denn die promiske Schlampe Frank zieht es nicht nur in Saunen und Darkrooms, er treibt sich auch zu gerne auf Klappen herum. Um die Wartezeit auf den nächsten Schwanz zu verkürzen, korrigiert er dort nebenbei auch mal schnell ein paar Klassenarbeiten.
Dass der Lowbudget-Streifen 1981 beim Filmfest in Saarbrüchen den Max-Ophüls-Preis als bestes Debüt erhielt, überrascht rückblickend nicht mehr sehr. Dass der Film allein in New York 200.000 Besucher zählte, umso mehr. Dass er in Deutschland trotzt expliziter Sexszenen – von der Analspülung übers Anpissen bis zur Ejakulation inklusive Schlucken – eine Freigabe ab 16 Jahren erhielt, das hingegen erstaunt selbst heute noch.
„Taxi zum Klo“, D 1978-1980. Mit Fank Ripploh, Bernd Broaderup, Gitte Lederer, Hans-Gerd Mertens, Tabea Blumenschein, Magdalena Montezuma. 90 min. Die DVD mit umfangreichen Extras ist bei pro-fun erschienen.
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Also ich meine das war eh lediglich eine Modeerscheinung
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